Eine Liebeserklärung an die kultigsten Buden im Revier: Sie brutzelt, sie duftet, sie verbindet, die Currywurst ist das kulinarische Herzstück des Ruhrgebiets. Passend zum 90. Geburtstag des Kult-Gerichts erscheint im Klartext Verlag der „Currywurst Guide Ruhrgebiet“ (ISBN 978-3-8375-2761-2 € 18,95) von Pia Bierschbach und Tim Koch – ein sorgfältig recherchiertes, liebevolles und facettenreiches Porträt der kultigsten Imbissbuden zwischen Dortmund und Duisburg. Ein Buch, das weit mehr ist als ein Restaurantführer: Es ist eine Hommage an Menschen, Orte und eine Wurst, die zur Seele des Ruhrgebiets gehört. Seit 2024 ist es amtlich: Die Currywurst wurde vor genau 90 Jahren im Ruhrgebiet erfunden. Das haben Tim Koch und Gregor Lauenburger in ihrem Buch „Alles Currywurst – oder was?“ eindeutig nachgewiesen. Doch dieser historische Fakt ist nur der Ausgangspunkt eines viel größeren Phänomens. Nirgendwo sonst wird die Currywurst so innig geliebt, so leidenschaftlich verehrt und so tief in die lokale Identität eingeschrieben wie im Pott. Besonders bemerkenswert: Das Buch beleuchtet auch die historischen Wurzeln des Kultgerichts. In „Peter Pomm’s Pusztetten-Stube“ in Duisburg-Marxloh findet sich der wohl bedeutendste Ort der deutschen Currywurst-Geschichte. Denn „Peter Pomm“ war Peter Johann Hildebrand, der die Currywurst bereits 1936 – also vor genau 90 Jahren – erfunden hat. Seit dem 22. September 2025 weist eine Gedenktafel an der Hauswand auf diesen historischen Ort hin, das Gebäude steht inzwischen unter Denkmalschutz. Der 22. September – Hildebrands Geburtstag – ist seitdem der neue Tag der Currywurst in Deutschland. 2026 feiert Duisburg den 90. Geburtstag der Erfindung.
Mehr als Fast Food: Die Bude als Lebensraum
Was von außen wie ein schnöder Imbissstand wirkt, entpuppt sich beim näheren Hinsehen als etwas ganz anderes: Die Currywurst-Buden des Ruhrgebiets sind keine gewöhnlichen Fast-Food-Locations. Sie sind Treffpunkte und Stammtische, sozialer Kitt, Wohnzimmer, Bühne – und für viele ein Stück Zuhause. Genau diesen Geist einzufangen ist Bierschbach und Koch im neuen „Currywurst Guide Ruhrgebiet“ auf eindrucksvolle Weise gelungen. Mit journalistischem Gespür und echter Zuneigung porträtieren sie die Menschen hinter den Buden – die Heldinnen und Helden des Alltags. Ein Zitat bringt das Lebensgefühl dabei auf den Punkt: „Das ist doch nicht nur ’ne Currywurst, das ist mein Leben!“ (Carsten Heinz Richter, „Curry Heinz“, Gelsenkirchen)

Ausgewählte Highlights
Das Buch porträtiert Dutzende kultige Adressen quer durch das Revier – von Datteln bis Witten, von Dortmund bis Duisburg. Nur einige Beispiele: Das „Bratwursthaus“ ist ein Urgestein im Bermuda-Dreieck von Bochum. Die Wurzeln reichen bis ins Jahr 1952 zurück. Seit 1983 führt die Familie Gottwald die Imbissbude, heute mit einem eigenen Lieferdienst, einer zentralen Produktion mit 14 Köchen und einem Online-Shop. Inhaber Ronald Gottwald träumt zudem von einem Currywurst-Museum für Bochum. Auch der Profi-Grill in Bochum ist stets unter den Top-10-Ruhrpott-Klassikern: Inhaber Raimund Ostendorp kochte einst in einem Drei-Sterne-Restaurant, bevor er sich für „echte, ehrliche Gäste“ entschied. An 360 Tagen im Jahr wird hier gegrillt und die hauseigene Currysoße aus Tomatenmark, Lorbeer, Ingwer, Hähnchen-Bratfett und Zitrusschale hergestellt. Für besondere Soßen ist auch „Die Currywurst“ in Wanne-Eickel bekannt: Gerd Herzog, von den Medien „Der Scharfmacher“ getauft, serviert hier angeblich die schärfste Currywurst der Welt – mit bis zu 16 Millionen Scoville. Die Schärfeskala reicht von 1 bis 10, ab Stufe 7 wird es „gnadenlos“. Wer Stufe 10 bestellen möchte, muss vorher eine Verzichtserklärung unterschreiben, bei Wettessen stehen Sanitäter bereit. Eine Institution seit 60 Jahren ist „Curry Heini“ in Waltrop. Das Soßenrezept stammt noch von Gründer Heinrich, die Wurst kommt vom regionalen Metzger und wird am Stück, längs eingeschnitten, serviert – die Kunden schneiden sie sich selbst. Der „Eichen-Grill“ in Datteln wiederum öffnet bereits um 7 Uhr morgens – seit Jahrzehnten. Markenzeichen: fruchtige Currysauce und die legendären „Pferdeklopse“, dreimal wöchentlich frisch angeliefert von einer Recklinghäuser Rossschlachterei, die seit 1906 besteht. Der Guide blickt zudem weit über den Tellerrand hinaus. In Zürich zeigt Alessandro „Pukki“ Reintges den Schweizern, was sein Lieblingsgericht so in sich hat. In Nairobi hat Fabian Förster den ersten Currywurst-Imbiss Kenias eröffnet – inspiriert von seiner Lieblingsbude im Revier. Im Chelsea Market in New York serviert „Berlin Currywurst“ das Kultessen to go mitten in Manhattan. Und in Paris zeigt der Imbiss „Wunderbär“, dass die Currywurst selbst zwischen Crêpes und Coq au Vin ihren Platz behaupten kann. Prominente Stimmen ergänzen das Bild: Sternekoch Tim Raue schwärmt von der Currywurst als „Feierabend Comfort Food“ und Michelin-Sternekoch Sascha Stemberg aus Velbert bekennt: „Currywurst ist für mich Lieblingsessen und eine große Portion Heimat!“ Der „Currywurst Guide Ruhrgebiet“ ist Reiseführer, Gesellschaftsporträt und Liebeserklärung in einem. Er richtet sich an alle, die das Ruhrgebiet kennen und lieben, an Neugierige, die es entdecken wollen – und an alle, die wissen: Eine gute Currywurst ist nie nur einfach eine Wurst.
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