Technikdenkmäler Schiffshebewerk Rothensee und Pretziener Wehr

  • Beeindruckende Kandidaten für deutsche UNESCO-Vorschlagsliste
  • In Reportagen

Geht es nach der Landesregierung Sachsen-Anhalts, sollen das Schiffshebewerk in Magdeburg-Rothensee und das Pretziener Wehr UNESCO-Weltkulturerbe werden. Völlig zu Recht, denn beide Anlagen sind außergewöhnlich wertvolle Technik- und Industriedenkmäler.

Jedes Denkmal, das den Status eines UNESCO-Welterbes erringen will, muss jedoch zunächst einen Platz auf der deutschen Vorschlagsliste für die UNESCO erringen. Diese wird derzeit durch die Kultusministerkonferenz neu zusammengestellt. Hierzu kann jedes Bundesland bis zu zwei Kulturdenkmale für die deutsche Vorschlagsliste benennen. Die Vorschläge werden von einer Expertenkommission auf ihre Erfolgsaussichten hin geprüft.

Die Staatskanzlei und Ministerium für Kultur meldet das Schiffshebewerk Rothensee als Kandidat für die neue deutsche UNESCO-Vorschlagsliste. Der zweite Vorschlagskandidat ist das Pretziener Wehr.

 

Staats- und Kulturminister Rainer Robra, der Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Magdeburg, Dr. Lutz Trümper, und der Leiter des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamts (WSA), Tjark Hildebrandt, stellten das weitere Bewerbungsverfahren vor. Staats- und Kulturminister Rainer Robra betont: „Sachsen-Anhalt verfügt über ein kulturelles Erbe, das Staunen macht. Diese Erfolgsgeschichte wollen wir fortschreiben. Wir haben uns mit dieser Auswahl im Land erhebliche Mühe gemacht und schicken nun zwei Denkmale ins Rennen, die für Pioniertaten der Ingenieurbaukunst stehen. Beide Kulturdenkmale des Wasserbaus genießen breiten Rückhalt in der Bevölkerung.“ Mit Blick auf das Schiffshebewerk Rothensee stellte Robra fest: „Das Hebewerk Rothensee ist für die Magdeburger mit ihrer großen Tradition als Industriestadt ein Ausdruck von Stolz und Können dieser Region. Es steht weithin sichtbar für eine besondere ingenieurtechnische Meisterleistung.“ Magdeburgs Oberbürgermeister Dr. Lutz Trümper macht deutlich: „Das Schiffshebewerk Magdeburg-Rothensee ist nicht nur ein herausragendes Zeugnis der Ingenieurbaukunst, sondern auch beispielhaft dafür, wie viel Bürgerinnen und Bürger bewegen können. Schließlich ist es ihrem Engagement zu verdanken, dass dieses historische Wahrzeichen der Landeshauptstadt nach jahrelangem Stillstand 2013 wieder in Betrieb genommen werden konnte. Dass das Rothenseer Schiffshebewerk im 83. Jahr seines Bestehens die Chance erhält, sich um den Titel UNESCO-Weltkulturerbe zu bewerben, erfüllt mich und alle Magdeburgerinnen und Magdeburger mit viel Freude und großem Stolz.“ Der Amtsleiter des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes Elbe, Tjark Hildebrandt, freut sich über die Initiative der Staatskanzlei des Landes Sachsen-Anhalt. „Das Schiffshebewerk Rothensee begeistert als Meisterleistung der Ingenieurbaukunst viele Menschen in der ganzen Welt. Der Vorschlag des Landes Sachsen-Anhalt, dieses einzigartige technische Denkmal in die UNESCO-Weltkulturerbeliste aufzunehmen, wird vom Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Elbe begrüßt und unterstützt.“

 

Das Schiffshebewerk Rothensee ist das einzige noch in Nutzung befindliche Auftriebs- beziehungsweise  Schwimmerhebewerk weltweit mit einer Nutzungskontinuität seit mehr als 80 Jahren. Es wurde 1938 in Dienst gestellt. 2013 hat die Stadt Magdeburg mit großer öffentlicher Unterstützung einen Nutzungsvertrag mit dem Bund geschlossen. Von den nur vier Typen von Senkrechthebewerken (das Kranhebewerk, das Druckwasser- oder Presskolbenhebewerk, das Gegengewichtshebewerk und das Schwimmerhebewerk) ist das Schiffshebewerk Rothensee weltweit das letzte seiner Art, das letzte in Funktion befindliche Schwimmerhebewerk. In Anerkennung dieser technischen Meisterleistung ist Rothensee seit 2009 auch ein europäisches Wahrzeichen in die ERIH-Route (European Route of Industrial Heritage).

 

Auch das Pretziener Wehr war eine technische Pionierleistung des Wasserbaus mit Vorbildwirkung für eine Vielzahl weiterer Wehre in ganz Europa, sowohl hinsichtlich der Gestaltung als auch mit Blick auf die Ingenieurleistung. Es war zu seiner Bauzeit das größte Schützenwehr in Europa und kann weltweit einzig eine Nutzungskontinuität seit bald 150 Jahren vorweisen.

 

Sachsen-Anhalt verfügt über fünf Stätten des Erbes der Menschheit der UNESCO: Das Bauhaus, die Welterbestadt Quedlinburg, die Luthergedenkstätten, das Gartenreich Dessau-Wörlitz und den Naumburger Dom. Mit dem Weltdokumentenerbe Himmelsscheibe von Nebra verfügt man über die "6 Staunenswerte - UNESCO Welterbe in Sachsen-Anhalt". Um Welterbe zu werden, muss ein Denkmal einen „außergewöhnlichen universellen Wert“ aufweisen. Dieser kann sich nach den Bestimmungen der UNESCO zum Beispiel daraus ergeben, dass ein Denkmal „einen bedeutenden Schnittpunkt für die Entwicklung der Architektur oder Technik aufzeigt“ oder „ein hervorragendes Beispiel eines Typus von technologischen Ensembles darstellt, der einen bedeutsamen Abschnitt der Menschheitsgeschichte versinnbildlicht“. Beide Kandidatenvorschläge aus Sachsen-Anhalt vereinen diesen Anspruch auf sich.
https://echtschoensachsenanhalt.de/
www.welterbe-sachsen-anhalt.de
www.magdeburg.de