Germanisches Nationalmuseum Nürnberg 2026
Der Körper ist das Sichtbarste, was ein Gegenüber zunächst von einem wahrnimmt. Er ist Mittel, unsere Persönlichkeit auszudrücken, sie bewusst inszeniert und in Szene setzt. Jedes Körperbild unterliegt Erwartungen und gesellschaftlichen Normen, die mitunter über Jahrhunderte bestand haben, aber auch immer wieder einen kritischen Wandel erfahren.
Körper – so lautet das Motto des Themenjahrs 2026 im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg. In Dauer- und Sonderausstellungen widmet sich das Leibniz-Forschungsmuseum den Vorstellungen von Idealbildern und Schönheit, wirft Fragen nach der Körperwahrnehmung und dem Umgang mit dem eigenen sowie dem Körper anderer auf und thematisiert Methoden der Körperoptimierung. Betrachtet wird der Körper aus kulturhistorischer Perspektive, die Aspekte wie Identität, Idealbilder, Moden und Moralvorstellungen beleuchtet.
Body. Aspekte des Körperlichen. Werke aus der Stiftung Spengler
Darstellungen des menschlichen Körpers und das Verhältnis vom Körper zu seiner Umgebung stehen in der großen Jahresausstellung ab Oktober 2026 im Zentrum. Mit rund 200 hochkarätigen Gemälden und Arbeiten auf Papier ab der Mitte des 20. Jahrhunderts präsentiert sie Highlights aus der Stiftung Spengler, die vor zwei Jahren als Dauerleihgabe an das Germanische Nationalmuseum kam. Die Motive spiegeln Vorstellungen von Schönheit und Körperidealen, außerdem Erfahrungen von Schmerz und körperlicher Gewalt, sie setzen sexuelle Orientierungen und soziale Zuschreibungen ins Bild und widmen sich Tod und Jenseitsvorstellungen. Zahlreich sind die Werke in Museen, die von der männlichen Fetischisierung der weiblichen Schönheit zeugen, seltener ist der umgekehrte Blick, wie ihn in der Sonderschau die Künstlerin Anke Doberauer auf den nackten männlichen Körper wirft. Daneben werden Arbeiten gezeigt, die eine Wirkung auf die menschlichen Sinne haben, wie abstrakte Gemälde von Rupprecht Geiger oder Raimund Girke, die zur Kontemplation anregen, die optische Reize auslösen wie Werke der Zero-Gruppe oder solche, die man fühlen und hören kann oder die mit Sehgewohnheiten brechen. Rund 200 Werke – Gemälde, Skulpturen, Wandarbeiten und Installationen sowie Arbeiten auf Papier – rücken Körperbilder aus dem 20. und 21. Jahrhundert in den Fokus. Interventionen in der Dauerausstellung verdeutlichen ergänzend, dass der Körperdiskurs kein ausschließlich modernes Phänomen ist, sondern seit jeher eine große Bedeutung in der Kulturgeschichte besitzt.

Genie, Idol, Star. Verehrung im 19. Jahrhundert
Bereits ab Mai 2026 geht eine Sonderausstellung der Frage nach, wie Star-Ruhm und Kult um einzelne Personen entstehen. Wer wird zum Star und was zeichnet ein Genie aus? Und warum wollen wir Genies, Idole und Stars verehren? Die Kunstszene begeistern vor allem eigenwillige Charaktere: Menschen mit einem unkonventionellen Lebenswandel, die als exzentrisch, bisweilen sogar als nah an Wahn und Irrsinn gelten. Auch äußerliche Merkmale – eine auffallende Schönheit oder außerordentliche sportliche Fähigkeiten – spielen oft eine Rolle. Das 19. Jahrhundert ist die Blütezeit der Genie-Verehrung, in der Genies und Stars zu neuen Helden und Ersatzheiligen stilisiert werden. Lang ist die Liste der in dieser Zeit Verehrten, sie reicht von Shakespeare und Albrecht Dürer über Goethe und Schiller bis zu Königin Luise und Napoleon. Die sich rasant entwickelnde Medienlandschaft trägt in dieser Zeit maßgeblich zu einem weitreichenden, mitunter internationalen Ruhm bei. Die Verehrung fand Ausdruck in Bildnissen und Biografien, Fan-Objekten, Autogrammen, in Vereinsgründungen und Gedenkstättenerrichtungen – und führte auch damals schon zu hysterischen Ausbrüchen bei Konzerten. Anhand von 170 Werken – Gemälden, Zeichnungen, aber auch Alltagsgegenständen und Erinnerungsstücken – geht die Sonderausstellung der Entwicklung des Genie- und Starkults im 19. Jahrhundert nach.
Sonderausstellungen 2026 in der Übersicht:
Genie, Idol, Star. Verehrung im 19. Jahrhundert
Sonderausstellung von 14. Mai bis 6. September 2026
Body. Aspekte des Körperlichen. Werke aus der Stiftung Spengler
große Jahresausstellung vom 15. Okt 2026 bis 11. April 2027
www.gnm.de