Immer nur Fußball? Auf die Dauer langweilig, vor allem, wenn die Hitze bei der WM in Kanada, den USA und im Mexiko so groß ist, das die Spieler verständlicherweise im Alte-Herren-Tempo sich die Bälle quer zuschieben. Die irischen Nationalsportarten Hurling und Gaelic Football sind ohnehin viel schneller und packender. Überzeugen kann man sich davon bei den Finals Ende Juli im Dubliner Croke Park. Die XXL-Arena hat aber noch mehr zu bieten.

Was die einzigartigen gälischen Sportarten, allen voran Hurling und Gaelic FootballOpens in new window, für die Iren bedeuten? Sehr viel! Auf jeden Fall geht es um mehr als „nur“ Körperertüchtigung. Die Spiele sind Teil ihrer Geschichte und ihres kulturellen Erbes, fester Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens und eine Quelle großen Stolzes. Diese Vielschichtigkeit würdigte die UNESCO, als sie Hurling und die Frauenvariante Camogie 2018 in ihre Repräsentative Liste des Immateriellen Kulturerbes aufnahm. Zur Begründung hieß es, dass die hohe Auszeichnung eben nicht nur in dem Spiel selbst gründete, sondern auch in seiner Bedeutung für Gemeinschaft, Identität, Traditionsweitergabe und ehrenamtliches Engagement in den Vereinen. Dazu muss man wissen, dass sämtliche, also selbst die landesbesten Hurling- und Football-Spielerinnen und -Spieler, ohne Lohn auf dem Feld stehen. Bezahlte Profis gibt es hier ebenso wenig wie Preisgelder und teure Transfers. Alles Amateure, alles für das eigene County und alles eine Herzensangelegenheit. Was die meisten Rest-Europäer auch nicht wissen, weil dort Hurling kaum praktiziert wird: Das Spiel ist so schnell und knallhart wie kaum eine andere Mannschaftssportart, manche sprechen gar von der schnellsten Mannschaftssportart der Welt. Dabei wurde der Sport, bei dem zwei Teams den Sliotar genannten Ball mit als Hurleys bezeichneten Schlägern zwischen hohen Torstangen zu versenken versuchen, bereits zur Zeit der keltischen Stämme ausgeübt. Die Ursprünge gehen bis zu 3.000 Jahre zurück, was Hurling zu einer der ältesten noch gespielten Feldsportarten der Welt macht. Und heutzutage? Erfreut sich der Sport immer noch inselweit großer, zuweilen riesiger Beliebtheit.

Dublin, Croke Park, Hurling Finale

Hauptentscheidungen in der Hauptstadt
Der nicht nachlassende Hype um das Hurling-Finale der Gaelic Games beweist das. Der Begriff Straßenfeger ist hier wahrlich angebracht, fiebert doch das ganze Land mit, wenn die Gaelic Athletic AssociationOpens in new window (GAA) den Höhepunkt der irischen Sportsaison ausrichtet. Am Sonntag, 19. Juli, ist es wieder soweit, dann findet das All-Ireland Senior Hurling Final der Männer 2026 im Dubliner Croke Park statt. In Irlands mit 82.300 Sitz- und Stehplätzen größtem und Europas drittgrößtem Stadion (das im Gegensatz zu anderen Arenen eben kein Fußballstadion ist) herrscht dann stets eine unvergleichliche Stimmung – ebenso bei den vielen offiziellen und privaten Treffen, bei denen Millionen Menschen das Spiel am Fernseher und online live verfolgen. Das Spektakel wiederholt sich meist an den weiteren Final-Sonntagen, allen voran am 26. Juli, wenn die Entscheidung beim Gaelic Football ansteht. Danach sind die Frauen dran, ebenfalls im Croke Park. Am 2. August wird das beste weibliche Football-Team ermittelt, eine Woche drauf die Nummer eins im Camogie.
Spielstätte? Pilgerstätte!
Croke ParkOpens in new window ist indessen nicht nur ein beeindruckend großes Stadion, sondern das unbestrittene, spirituelle Zuhause der Gälischen Spiele. Bereits 1896 wurden die ersten All-Ireland-Finals auf dem Gelände ausgetragen. Nach Jahren wechselnder Austragungsorte entwickelte sich Croke Park spätestens ab den 1930er-Jahren zunehmend zum immer beständigeren „Tempel der Gaelic Games“. Wer mehr über die Geschichte der GAA und ihre Bedeutung in der irischen Kultur erfahren will, schaut vor dem Stadionbesuch (oder gern auch an spielfreien Tagen, es hat täglich geöffnet) im mehrfach ausgezeichneten GAA-MuseumOpens in new window vorbei. Das befindet sich praktischerweise innerhalb des Stadions, dessen Erweiterung und Modernisierung 2004 fertiggestellt wurde. Neben der Hall of Fame und vielen legendären Trikots, Pokalen und anderen Erinnerungsstücken lockt in dem 1998 eröffneten Museum auch eine interaktive Spielzone, in der Besucher ihre Ausdauer testen und versuchen können, mit einem Hurley einen Sliotar zu schlagen. Die Ausstellungsräume fungieren zudem als Startpunkt für Stadiontouren. So führt die „Croke Park Stadium TourOpens in new window“ (in diesem Fall nur an spielfreien Tagen) in die modernen Umkleidekabinen der Mannschaften, über das Spielfeld und zu VIP-Sitzen, auf denen man probeweise Platz nehmen darf. Zudem erzählen Experten spannende Geschichten und lassen die Atmosphäre des Stadions lebendig werden – spätestens dann wird deutlich, warum die gälischen Spiele eine so große emotionale Bedeutung für die Iren haben.

Dublin, Croke Park, Hurling Finale


Rein in die Geschichte, rauf aufs Dach!
Adrenalinschub gefällig? Dann auf zur „Kellogg’s Skyline Croke Park Tour“, bei der Mutige dem Croke Park im wahrsten Sinne aufs Dach steigen, in bis zu 44 Meter Höhe. Der Aufstieg lohnt allein wegen des großartigen Panoramablicks über Dublin und darüber hinaus. An fünf Haltepunkten lässt er sich genießen – ein erhabenes Erlebnis. Zusätzlich zu den zwei Standardtouren gibt es noch eine Reihe thematischer Angebote, die sich an ausgewählten Terminen auf bestimmte Aspekte der Dubliner Geschichte und Kultur konzentrieren. „Dublin’s Daughters“ ist eine Skyline-Tour, bei der die berühmten Frauen der Stadt gewürdigt werden, während „Writers from the Rooftop“ Orte beleuchtet, die mit den angesehenen Schriftstellerinnen und Schriftstellern der Stadt verbunden sind. Für einen skurrilen Blick auf Dublins dunklere Folklore eignet sich die „Tales from the Pale“-Tour, oder darf es gleich eine ganz private Tour mit eigenem thematischen Schwerpunkt sein? Auch das lässt sich arrangieren.
www.gaa.ie
https://crokepark.ie
www.ireland.com